Seit mehr als 650 Jahren ist die Region Karlsbad untrennbar mit der Kurbehandlung verbunden, die auf der Nutzung natürlicher Ressourcen wie Thermal- und Kaltmineralquellen, Schlamm, Moor und Gasen beruht.
In der Karlsbader Region befinden sich fünf renommierte Kurorte – Karlsbad, Marienbad, Franzensbad, Jáchymov und Bad Königswart. Die hiesigen Kurorte genießen weit über die Grenzen des Landes hinaus großes Ansehen. Karlsbad, Marienbad und Franzensbad gehören zu den Bedeutenden Kurstädten Europas, die in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen sind.
Die Legende von Karl IV. und die Entstehung der Kurstädte
Der böhmische König Karl IV. brach von seiner Burg Loket häufig zur Jagd in die Wälder im Herzen Europas auf, im Westen Böhmens zwischen dem Erzgebirge und dem Slavkovský les. Einer Legende zufolge stieß sein Gefolge eines Tages auf eine heiße Quelle, der der Kaiser bald Heilkräfte zuschrieb. Davon überzeugte er sich selbst, als das örtliche Wasser sein verletztes Bein heilte. Er befahl, die Umgebung der Quelle zu besiedeln, und so geschah es. Obwohl Karlsbad im Lauf der Jahrhunderte mehrfach Kriegen und Naturkatastrophen ausgesetzt war, kam seine Entwicklung als Kur-, Architektur- und Kulturstadt nie zum Stillstand. Es wurde zu einem der beliebtesten Kurorte der Welt.
Hinter der Entstehung von Franzensbad steht keine weniger erhabene Persönlichkeit. In der Umgebung heilender Quellen nahe Cheb gründete der österreichische Kaiser Franz I. im Jahr 1793 das erste Moorbad der Welt. Die zu seinen Ehren nach ihm benannte Stadt entstand innerhalb von weniger als 200 Jahren. Etwas später entstanden Marienbad, Bad Königswart und Jáchymov.
Berühmte Persönlichkeiten, die die Region Karlsbad besuchten
Zum Ruhm der hiesigen Kurorte trugen natürlich die Heilkraft der Quellen, die hochwertige Kurpflege und die Schönheit der Städte und der umgebenden Natur bei – aber auch gute Öffentlichkeitsarbeit. Zur Behandlung kamen wohlhabende Adelige sowie führende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Kunst aus aller Welt. Zu den bedeutendsten Kurgästen gehören zweifellos der russische Zar Peter der Große, der Komponist Ludwig van Beethoven, Kaiser Franz Joseph I., der Dichter Johann Wolfgang Goethe, der Klaviervirtuose Fryderyk Chopin, der erste tschechoslowakische Präsident Tomáš Garrigue Masaryk, der Psychologe Sigmund Freud und viele weitere. Manche von ihnen erschienen nur kurz in der Region, andere fühlten sich von der rauen Schönheit dieser westlichen Ecke Böhmens so angezogen, dass sie gern zurückkehrten oder sogar mehrere Jahre blieben.

Nach fast jedem bedeutenden Gast wurde etwas benannt. Einige erhielten ein Denkmal, nach anderen sind Waldwege benannt. Karlsbad ist jedoch auch bei heutigen VIPs beliebt, was vor allem dem Internationalen Filmfestival Karlsbad zu verdanken ist, das seit 1946 regelmäßig stattfindet. Nicht selten erscheinen hier Stars wie Jude Law, Antonio Banderas, John Malkovich, Robert De Niro, Renée Zellweger und andere.

Neben den berühmten Persönlichkeiten, die die Region Karlsbad besucht haben, dürfen wir auch die lokalen Persönlichkeiten nicht vergessen, die dazu beitrugen, dass Westböhmen über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Dazu zählen etwa der Physikprofessor Heinz Kurt Henisch, dessen Erkenntnisse und Wirken die Universität von Pennsylvania zu einem Zentrum der Erforschung der Geschichte der Fotografie in den USA machten; der aus Kraslice stammende Franz Gruss, der im In- und Ausland durch seine Landschaftsmalerei bekannt wurde; sowie Josef Labitzký, der „tschechische Walzerkönig“.
Die Region Karlsbad birgt seit Urzeiten noch einen weiteren Schatz
Wussten Sie, dass die Montanregion Erzgebirge zum UNESCO-Welterbe gehört? Unserer Meinung nach völlig zu Recht: Dank der Vielfalt ihrer Rohstoffe gehören die Erzgebirge zu den einzigartigsten Bergbaugebieten der Welt. Seit dem Mittelalter entstanden hier kleine Siedlungen, in deren Nähe Silber und später weitere Erze abgebaut wurden. Die größte wirtschaftliche Bedeutung hatte das Jáchymover Erzrevier, wo neben dem Bergbau auch Silbermünzen geprägt wurden.
Der Jáchymover Taler mit dem böhmischen königlichen Löwen begründete ein Münzsystem, das mehr als 350 Jahre bestand und sich in Europa und Übersee verbreitete. Darüber hinaus wurde nach ihm die bekannteste Währung der Welt benannt – der Dollar. Im Jahr 1716 entstand hier die erste Bergbauschule der Welt. Ende des 19. Jahrhunderts rückte der Bergbau in der Umgebung von Jáchymov durch die Entdeckung des radioaktiven Elements Radium durch die bedeutende französische Wissenschaftlerin Marie Curie-Skłodowska im örtlichen Pechblendeerz ins Bewusstsein.
Das gesamte Erzgebirge ist aus globaler Sicht als technologisches und wissenschaftliches Zentrum von Bedeutung, von dem aus sich Erfindungen und Innovationen des Bergbaus in weitere Abbaugebiete auf der ganzen Welt verbreiteten. Dazu gehörten beispielsweise Techniken zum Abpumpen von Grubenwasser und zur metallurgischen Verarbeitung von Erzen. Hier entstanden die ersten geologischen Karten, und es erschienen die ersten wichtigen Handbücher und Lehrbücher für Bergbau und Metallurgie. All dies dokumentiert das Museum in der damaligen Königlichen Münze Jáchymov. Wenn Sie sich für dieses Thema interessieren, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall.
Was hat die Region Karlsbad noch berühmt gemacht?
Jede Region hat ihre traditionellen Produkte. Doch nicht jede kann sich mit so vielen Erzeugnissen rühmen, die die Tschechische Republik weltweit bekannt gemacht haben. Produkte, die überwiegend aus lokalen Rohstoffen nach originellen Rezepturen und Verfahren hergestellt werden, sind ein lebendiges Erbe der Region Karlsbad.
Karlsbader Porzellan
Der Begriff „Karlsbader Porzellan“ steht nicht nur für eine fast 220-jährige Tradition, sondern auch für Qualität und weltweites Ansehen. Da der Grundrohstoff Kaolin in der Region Karlsbad zu den hochwertigsten der Welt gehört und auf einem so hohen Niveau verarbeitet wird, ist das örtliche Porzellan sehr gefragt. Porzellanbecher in verschiedenen Farben und Formen sowie mit farbenfrohem Dekor gehören zu Karlsbad ebenso untrennbar wie seine Heilquellen.
Erzeugnisse der Glashütte Moser
Die Geschichte der Glashütte Moser ist mit Ludwig Moser verbunden, einer der prägendsten Persönlichkeiten der Geschichte der Glasherstellung. Er erwarb den Ruf als prestigeträchtigster Kristallhersteller der österreichisch-ungarischen Monarchie. Im Lauf ihres Bestehens wurde die Familienglashütte zum Hoflieferanten königlicher Höfe und bewahrt bis heute erfolgreich die reiche Tradition der Herstellung luxuriösen Trink- und Kunstglases. Der Erfolg der örtlichen Produkte beruht auf perfekter Handwerkskunst, erstklassiger Qualität und dem außergewöhnlichen Talent der Glasmeister.
Becherovka
Am Ursprung des weltberühmten Kräuterlikörs mit seinem typischen bittersüßen Geschmack und der goldenen Farbe stand der erfahrene Kaufmann Josef Vitus Becher. Sein Sohn Jan übernahm das Handwerk und gilt als der eigentliche „Vater“ der Becherovka. Er widmete ihr seinen ganzen Fleiß und seine Leidenschaft und entwickelte sie fast 40 Jahre lang weiter. Dank der streng geheimen Rezeptur schmeckt Becherovka heute genauso wie vor 200 Jahren. Ihr Geschmack ist unverwechselbar, denn unter den Kräutern aus exotischen Ländern befinden sich auch solche, die nur in der Region Karlsbad wachsen.
Karlsbader Kurwaffeln
Kurwaffeln gehören seit mehr als 130 Jahren zu den beliebtesten traditionellen Produkten. Die ersten Erwähnungen der Herstellung Karlsbader Waffeln stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Schon bald erlangten sie weltweite Berühmtheit und wurden auf der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. In der jüngeren Geschichte wurden sie als typisches tschechisches Produkt zu einem der meistverkauften Erzeugnisse des tschechischen Pavillons auf der Weltausstellung EXPO in Hannover erklärt. Dank der traditionellen Rezeptur und der Verwendung von Karlsbader Sprudelwasser bewahren sie ihre besonderen Eigenschaften.
Musikinstrumente von Amati
In den Ausläufern des Erzgebirges hat die Herstellung von Musikinstrumenten eine lange Tradition. Ein Beispiel ist das tschechische Unternehmen Amati, das seit der Mitte des 18. Jahrhunderts Querflöten, Blechblasinstrumente, Ventilinstrumente und weitere Musikinstrumente von Hand herstellte und seine Produkte während seines Bestehens in die ganze Welt exportierte.
Mattoni
Zur Region Karlsbad gehört untrennbar auch das berühmte örtliche Mineralwasser. Mattoni entstand 1873 im Kurort Kyselka. Die unberührte Natur und die einzigartige Lage an der Grenze zwischen dem Erzgebirge und dem Duppauer Gebirge verliehen dem Mineralwasser Mattoni seinen unverwechselbaren Geschmack und machten es nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland beliebt.






