Während draußen die Kolonnade leise rauscht, herrschen drinnen Ruhe und eine angenehme Atmosphäre, die jedem Detail Raum gibt. In der Galerie der Bildenden Künste Karlsbad und in der Becher-Villa verwandelt sich die typische Kurstadt-Gelassenheit in einen Ort, an dem man innehalten, entschleunigen und ganz bei sich selbst sein kann. Und wenn Sie sich eher zum bildenden und angewandten Kunstschaffen hingezogen fühlen, lohnt sich ein Abstecher in den Letohrádek Ostrov – hier erwarten Sie inspirierende Energie und der Mut zum Experiment.
Jeder dieser Orte hat seine eigene Seele. Die Galerie der Bildenden Künste, eingebettet in viel Grün und umgeben von Jugendstilvillen, ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Karlsbader Kulturszene. Sie eröffnet Einblicke in die tschechische Kunst des 20. Jahrhunderts ebenso wie in zeitgenössische Positionen.
Die Becher-Villa, einst das Familiendomizil der berühmten Becher-Dynastie im Stadtteil Westend, lebt heute als interaktive Galerie mit wechselnden Ausstellungen und vielseitigem Begleitprogramm.
Und der „Letohrádek Ostrov“? Ein frühbarockes Lustschloss inmitten eines Parks – eine stille Oase außerhalb der Zeit, in der Geschichte auf moderne künstlerische Ausdrucksformen trifft.
Galerie der Bildenden Künste Karlsbad
Nur wenige Schritte vom Stadtzentrum entfernt steht ein Gebäude, das seit mehr als sieben Jahrzehnten die Entwicklungen der tschechischen bildenden Kunst widerspiegelt – die Galerie der Bildenden Künste Karlsbad. Hinter den großen Fenstern breitet sich weiches Licht aus, das über Gemälde und Skulpturen gleitet und den Raum mit einer wohltuenden Stille erfüllt.
Sie finden die Galerie an der „Goethova stezka“, eingebettet in das Grün des Kurparks und nur etwa zehn Gehminuten von der Kolonnade entfernt. Das Jugendstilgebäude ist bereits für sich genommen einen Halt wert – doch der eigentliche Zauber entfaltet sich im Inneren.
Die Galerie ist das älteste und zugleich größte Museum für bildende Kunst in der Region Karlsbad und hat im Laufe ihres Bestehens nahezu 700 Ausstellungen präsentiert. Heute ist sie ein lebendiges Kulturzentrum, in dem sich Geschichte und Gegenwart begegnen, Kunst und Musik ineinandergreifen und Menschen jeden Alters – Erwachsene wie Kinder – Raum für Ruhe ebenso wie für kreative Inspiration finden.

Sieben Jahrzehnte tschechischer Kunst
Anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Galerie entstand die Dauerausstellung „Sieben Jahrzehnte / Galerie der Bildenden Künste Karlsbad (1953–2023)“. Worauf dürfen Sie sich freuen? Auf eine Reise durch die Zeit, bei der Sie an einem Ort die bedeutendsten Werke der tschechischen Kunst des vergangenen und des aktuellen Jahrhunderts entdecken.
Von den Leinwänden blicken Ihnen Persönlichkeiten wie Antonín Slavíček, Jan Preisler, Josef Čapek, Emil Filla oder Jan Zrzavý entgegen – ebenso wie Künstler, die die Nachkriegszeit entscheidend geprägt haben: Mikuláš Medek, Václav Boštík, Karel Nepraš und Zdeněk Sýkora. Die Gegenwart vertreten unter anderem František Skála, Jaroslav Róna oder Michael Rittstein.
Manche Namen sind Ihnen vielleicht vertraut, andere werden Sie neu entdecken – und genau darin liegt der besondere Reiz dieser Ausstellung.

Jedes Werk hat hier seinen eigenen Platz – gemeinsam entstehen sie zu einem lebendigen Dialog zwischen Generationen, Stilen und Epochen. Sie können still durch die Ausstellung gehen und Farben und Formen einfach auf sich wirken lassen, oder bewusst nach Zusammenhängen suchen:
Wie verändert sich der Blick auf Landschaft, auf den Menschen, auf Emotionen? Und was macht das mit Ihnen?
Die Ausstellung ist nicht nur eine Abfolge von Namen, sondern eine Reise durch Gedanken und Gefühle. Sie führt von poetischen Landschaften zu abstrakten Visionen, vom Träumen zum Experimentieren – und lässt spürbar werden, wie sich die tschechische Kunst im Gleichklang mit der Gesellschaft gewandelt hat.
Und wenn Sie mit Kindern kommen, dürfen diese ruhig selbst aktiv werden: Große Puzzles, Memory-Spiele, Bauklötze und Arbeitsblätter laden auch die Jüngsten dazu ein, Farben und Formen spielerisch zu entdecken. Während Sie bei Ihren Lieblingskünstlern verweilen, finden die Kinder ihren ganz eigenen Zugang – fantasievoll und mit Freude.
Kunst, die lebt
Die Galerie ist heute alles andere als ein stiller, statischer Ort mit Bildern an den Wänden. Stellen Sie sich vor, Sie betreten den Raum – und neben den Ausstellungen erwartet Sie ein Programm, an dem Sie aktiv teilhaben können. Jeden Monat finden hier kommentierte Führungen statt, bei denen Sie die Geschichten hinter den Werken und ihren Schöpfern kennenlernen. Hinzu kommen musikalische Abende, die den Ausstellungssaal mit Klang erfüllen, sowie die Kreativwerkstätten „Dotkni se“ (Berühre es), in denen Kinder unter fachkundiger Anleitung lernen, Kunst unmittelbar wahrzunehmen und selbst zu gestalten – mitten im authentischen Umfeld der Galerie.
Aktuell lädt die Galerie zu den Ausstellungen von Marek Wohlrab (Úhel pohledu / Blickwinkel) und Pavel Dušek (Hranice obrazu? / Die Grenzen des Bildes?) ein. Beide präsentieren zeitgenössische Kunst, die keine Scheu hat zu denken, zu zweifeln, zu suchen – und auch zu provozieren. Vielleicht stehen Sie vor einem Werk und denken: „Das verstehe ich nicht ganz.“ Und genau das ist vollkommen in Ordnung. Denn gerade im Dialog zwischen Ihnen und dem Kunstwerk entsteht das Wesentliche.
Becherova vila
Am Rande des Villenviertels Westend, umgeben von altem Baumbestand und Jugendstilarchitektur, steht ein Haus, das Noblesse und Geschichte in sich vereint. Wenn Sie näherkommen, fallen Ihnen vielleicht zuerst die feinen Details ins Auge – die Linien der Fenster, die Form des Dachs oder das stilvolle Eingangsportal.
Die Becherova vila, einst das repräsentative Familiendomizil der Familie Becher, atmet heute Kunst. Erbaut wurde sie von Gustav Becher, dem Enkel des Gründers der berühmten Becherovka, und vom Architekten Karl Heller in eine Form gebracht, die auch nach mehr als hundert Jahren nichts von ihrer Faszination verloren hat. Im Inneren erwarten Sie kunstvolle Glasfenster, kassettierte Decken, feine Malereien im Geist des Art déco sowie das Wappen der Familie Becher.
Nach einer behutsamen Restaurierung in den Jahren 2009–2011 verwandelte sich die Villa in die Interaktive Galerie Becherova vila, eine Außenstelle der Galerie der Bildenden Künste Karlsbad. Heute können Sie hier nicht nur moderne und zeitgenössische Kunst entdecken, sondern auch in die Geschichte der Familie Becher sowie in die Vergangenheit des Viertels eintauchen, das einst als architektonischer Stolz Karlsbads galt.
Und auch wenn das Wort Vila im Namen steckt, wirkt Becherova vila eher wie ein lebendiges Haus – mit dem Duft frischer Farben aus dem Atelier, dem Lachen von Kindern aus den Werkstätten und einer Stille, die nach Holz und Geschichte riecht. Es ist ein Ort, an dem sich die Atmosphäre der Vergangenheit ganz selbstverständlich mit der Energie der Gegenwart verbindet.
Kunst zum Anfassen
Becherova vila bietet weit mehr als das klassische „anschauen und weitergehen“. Hier können Sie Kunst berühren, erleben und selbst gestalten. In den Art-Clubs für Junioren und Senioren wird regelmäßig gemalt, gestaltet und darüber gesprochen, welche Emotionen Kunst in uns weckt. Wer seine eigene Kreativität weiterentwickeln möchte, findet im Atelier für Erwachsene Raum, neue Techniken zu erlernen und den eigenen Stil zu entdecken. Und wenn Sie die Arbeit mit Ton reizt, führt Sie das Keramikatelier durch den gesamten Prozess – vom ersten Kontakt mit dem Material bis zum finalen Brand.

In der Becherova vila wechseln sich nicht nur Ausstellungen, sondern auch Stimmungen ab. Im großzügigen Saal finden im Laufe des Jahres Autorenlesungen, Konzerte, Theateraufführungen und Konferenzen statt. Mal wirkt der Raum wie ein stilles Atelier, ein anderes Mal wie ein lebendiger gesellschaftlicher Salon.
Für die Zukunft ist zudem eine Swing-Tanzveranstaltung „Swing u Becherů“ geplant, die die Eleganz der Abende der Ersten Republik in die Villa zurückbringen möchte. Wenn Sie eine Hochzeit, eine Feier oder ein privates Treffen planen, können Sie die Räume der Villa auch mieten – und sich ein Erlebnis gönnen, das Stil und Seele vereint.
Jeder Besuch der Becherova vila ist anders. Mal still, mal kreativ und verspielt. Doch eines bleibt immer gleich: Sie gehen mit dem Gefühl nach Hause, der Kunst ganz nah gekommen zu sein – im wahrsten Sinne des Wortes.
Letohrádek Ostrov
Unweit von Karlsbad, im Schlosspark der Stadt Ostrov, steht ein barockes Kleinod – der Letohrádek Ostrov. Vielleicht kommen Sie nur zu einem Spaziergang hierher und merken plötzlich, wie gut es sich an diesem Ort verweilen lässt. Während der Saison finden hier Ausstellungen statt, die junge Talente mit etablierten Künstlerinnen und Künstlern verbinden und zugleich Schulen sowie Studierenden Raum bieten, Inspiration für ihr eigenes Schaffen zu finden.

Der Letohrádek Ostrov wirkt so als verbindendes Element zwischen den Generationen. Die einen bringen neue Perspektiven ein, die anderen Erfahrung und Tradition. In diesem Jahr verabschiedet sich die Saison mit dem Happening „17. listopad – nikdy to nekončí“, bei dem Schülerinnen und Schüler der ZUŠ Ostrov, Studierende der Schule Můj projekt Mánesova sowie Künstlerinnen und Künstler des Cirkus Cérés zusammenkommen. Wenn Sie lebendige, leicht verspielte Veranstaltungen mögen, in denen sich Musik, Theater und bildende Kunst miteinander verweben, sind Sie hier genau richtig.
Anschließend gönnt sich der Letohrádek eine winterliche Ruhepause, um am 9. Mai des kommenden Jahres wieder für die Öffentlichkeit zu öffnen. Und dann lohnt es sich, dabei zu sein. Jede Ausstellung ist eine kleine Feier von Kreativität, Austausch und dem Mut zu gestalten. Vielleicht denken Sie zunächst, es sei „nur“ ein kleines Lustschlösschen im Park – doch das Gefühl, mit dem Sie diesen Ort verlassen, ist alles andere als klein.

Im Karlsbader Land heilt nicht nur das Wasser der Quellen. Auch die Kunst besitzt hier eine ähnliche Kraft. Sie vermag Lärm zu besänftigen, das Tempo zu verlangsamen und mit Ruhe zu erfüllen. Es genügt, einzutreten und Licht wie Stille auf sich wirken zu lassen.
Und vielleicht stellen Sie fest, dass gerade diese stillen Momente das schönste Souvenir sind, das Sie aus dem Kurort mit nach Hause nehmen können.